Samstag, 20. August 2016

PhiloJune
5 Einstellungen, die dich runterziehen

Hier gibts heute 5 x Erleichterung, Aufatmen und gute Laune auf die Guckkullern, also mitlesen und teilen: Ihr könnt die Welt verbessern und euer runtergezogenes Dasein liften!


Janas Eis hatte schon bessere Tage erlebt....


1. Du willst einfach nur glücklich sein

Das ist das Mantra unserer Zeit und du hast es gierig in dich aufgenommen, ohne darüber nachzudenken, ob das überhaupt Sinn macht. Schon der Satz ist völliger BS. Warum?
Es ist eben nicht einfach glücklich zu sein. Und was heißt "nur"?
"Ich will einfach nur glücklich sein" ist ungefähr ein so konkreter und realistischer Wunsch, wie
"Ich will einfach nur meine Bestimmung kennen". 
Das einzige was einfach und ganz klar festzustellen ist: Wenn Glück dein Ziel ist, such dir ein neues!
Glück kann man nicht konstruieren, kann man sich nicht herbeisehnen, kann man nicht fühlen, weil man Lust dazu hat. Es gibt ellenlange philosophische Abhandlungen darüber, was Glück überhaupt ist. Wenn du frustriert vor deinem PC/Fenster/Partner hockst und denkst "Ich will einfach nur glücklich sein", frage ich dich: "Was ist denn Glück?" Wenn du diese Frage sofort beantworten kannst, hast du wahrscheinlich mit "Ausschlafen", "Urlaub", "Fettabsaugen", "der neue Grill" oder "reich sein" geantwortet. Okay - ausgeschlafene, fettabgesaugte Urlauber, die Zuhause einen neuen Grill haben und sich alles kaufen können, was sie wollen, sind also unter allen Umständen glücklich zu nennen? Vermutlich nicht. Tief in dir drin weißt du, dass DAS nicht ist, was du meinst. Was du suchst. Es ist nur die halbe Miete. Es ist sozusagen das "GELD" im Leben. Glück und Geld...die sind sich sehr ähnlich. Dein Fehler ist, dass du das Glücksmantra verinnerlicht hast und nichts darüber gelernt hast, was wirklich zählt. 


2. Du hast nicht gelernt zufrieden zu sein


Geld = Glück
Gesundheit = Zufriedenheit

Ist ganz leicht erklärt. Stell dir also vor, du bist dieser Mensch, der alles hat. Schlaf, Schönheit, Urlaub, nen Grill und alles, was er sich nur wünscht. Nur Gesundheit hat er nicht. 
Gesundheit ist sozusagen greifbare Zufriedenheit. Und ohne die ist alles Geld/Glück der Welt wertlos.

Leider ist Gesundheit absolut out und unattraktiv, anders als Geld und Glück. Sieht man an den in Markenklamotten erstickenden Kids, die besoffen, bekifft und gestoned ihre Gesundheit verachten, weil sie das kurzfristige Glück irgendwie geiler finden....bis sie halt krank werden.

Zufriedenheit ist einfach unsexy. Oma ist zufrieden. Dabei hat die nichtmal ein Leben! Finden ihre Enkel und jagen das Glück. Dabei hat Oma unterm (Summen-) Strich ALLES. Da müssen die Kids noch Jahre auf dem Planeten Leben einsammeln, ehe sie da ankommen, wo Oma ist.

Zufriedenheit....sie ist die kluge, große und alte Schwester vom kleinen, frischen, quirligen Glück. 
Sie ist ein bisschen langweilig. Sie ist ein bisschen eingestaubt. Sie ist ein bisschen spießig.
Aber sie ist auch beständig. Es ist richtig leicht, sie zu finden, sie sitzt immer an der gleichen Stelle im Wohnzimmer und wartet darauf, sich warm und wohlig auszubreiten. Sie ist so ein richtig schönes, tiefes, rundes Gefühl. Mega unsexy, aber eben auch mega bequem. 

Glück hingegen ist quirlig. Sie ist wild. Und sie kann fliegen! Sie ist die Superheldin von den beiden. Leider ist ihre große Stunde immer nur, wenn Action angesagt ist. Außerdem muss sie richtig was leisten, um am Ende groß rauszukommen. Je älter sie wird, desto mehr muss sie tun. Außerdem sind ihre alten Stunts irgendwann so fad, so abgelutscht, so yesterday. Glück, so richtig frisches, lebendig machendes, großes Glück, das gibts nicht einfach so. Das wartet nicht im Wohnzimmer. Superhelden sind so nicht. Die tauchen auf und wieder unter. Wenn man sie mal sieht, sollte man sich irre freuen. Den Moment genießen! Und danach wieder auf die Zufriedenheit bauen. Irgendwann taucht das Glück mit der Superheldennummer wieder auf, aber solange ist eben Zufriedenheit am Zug. Hält dich warm. Hält dich aufrecht. Hält dich gesund. Hält dich im Gleichgewicht. 

Zufriedenheit ist die Lordosestütze unserer Seele, 
Glück ist der Frischekick für Zwischendurch. 

Wenn du nicht zufrieden sein kannst, zum Beispiel, weil du gesund bist, dann lerne das. Sei zufrieden weil du hier bist, hier - und nicht da. Irgendwo zerbombt. Hungrig. Durstig. Dreckig. Du weißt schon. Genieße, dass deine Kinder leben und gesund sind. Dass sie viel Grund zum Lachen haben. Dass ihre Superheldin Glück sie noch kinderleicht fast jeden Tag zum Strahlen bringt. Genieße die Beständigkeit, das Altbekannte, das Hier und Jetzt. Sei zufrieden mit dem, was du gemeistert hast. Hej - du hast überlebt! Du hast es geschafft! Keine Ahnung was...du hast den Streit mit deinem Ex überlebt. Noch dazu die Trennung. Und es war deine dritte. Du hast Geburten überlebt. Blamagen. Schlechte Zensuren...oh ja, du hast deine eigene Pubertät überlebt! Und du wurdest auch nicht Kollateralschaden einer anderen Pubertät. Hurray - celebrate the unsexy Zufriedenheit!

Die Zufriedenheit ist die Summe alles Guten. In die Rechnung fließt sogar das Glück mit ein.
Das heißt, dass am Ende, unter dem (Summen-) Strich immer = Zufriedenheit herauskommt.
Frag Oma: Die weiß das!

3. Du urteilst schlecht über andere und somit über dich!


Boah ist die fett geworden!
Oh Gott ist der alt geworden!
Die hat überhaupt keinen Geschmack!
Der kann sich wohl nichts Vernünftiges zum Anziehen leisten?
Der ist geizig!
Der will doch arbeitslos sein!
Die kann doch nichts!


Wenn du schlecht über andere Menschen denkst und urteilst, werden deine Worte dich eines Tages (oder unmittelbar) wie ein Boomerang treffen. Alles, was du über andere Menschen denkst, alles was du über sie sagst, ist ein Boomerang, den du in die Welt wirfst. Irgendwann kommt er zurück. Bist du bereit ihn aufzufangen? Ihn anzunehmen?
Kannst du damit leben, dass du "fett geworden bist"? Oder trifft dich das hart und eiskalt? Verletzt dich das, weil du andere verletzt hast?
Kannst du damit leben, mal arbeitslos zu sein? Oder haut dich das um, wenn es dich trifft? Weil du schlecht über Arbeitslose denkst?
Kannst du dir selbst ins Gesicht schauen, wenn es schlaffer und faltiger wird, ohne es zu hassen? Kannst du dein Alter annehmen? Oder schmerzt es dich, dich so zu sehen? Weil du jahrelang nur mit negativen Gefühlen auf das Altern geschaut hast?

Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich lästernd wohl fühlen, rate ich dir, dich zu ändern.
Wenn nicht für die anderen, dann für dich selbst.
Wir sind nicht fehlerfrei. Irgendwann sitzen wir alle mal in genau dem Glashaus, auf das wir früher von außen munter Steine geworfen haben. Freunde dich lieber mit den Facetten des Lebens und des Menschen an. Versuche das Positive zu sehen. 

Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, lass es.

Wenn du nichts Gutes zu denken hast: Dito.

Du wirst sehen - wenn du dich vom Lästern und Verurteilen befreist, wirds dir selbst leichter ums Herz. Nicht, weil du ein buddhistisches Hoch erreichst. Sondern weil du mit dir selbst wieder freundlicher bist. Automatisch. Versprochen!


4. The grass is greener on the other side


Neid. Neid ist zum Teil in dir angelegt, zum Teil ist er aber auch anerzogen. Gegen den "konditionierten" Neid kannst und solltest du etwas tun. Denn er hilft dir nicht. Er zieht dich runter. Schlimmer noch: Er kann sogar andere runterziehen. Neidische Menschen sind manchmal derart schlecht auszuhalten, dass ihre Liebsten sich von ihnen abwenden. Von Neid zerfressen: Das muss dir nicht passieren! Du kannst die ollen Neidmotten tatsächlich mit ein paar hausgemachten Lavendelbeuteln loswerden. Damit sie dir dein schönes Selbstwertgefühl nicht durchlöchern!

Geht so:
Nimm dir einen Zettel. Und schreib auf, wofür du dankbar bist.
Sic! Dankbarkeit ist dein Lavendel. 
Wenn dir spontan nichts einfällt (arbeitslos, fett, alt, nicht im Urlaub, keinen Grill, nicht reich...), helf ich dir weiter.

DANKBARKEIT...

1. Ich kann schreiben.
2. Ich kann lesen.
[ergo = ich hatte das Glück diese beiden großen Fähigkeiten zu erwerben. Ich kann jetzt schriftlich mein Herz ausschütten. Und ich kann Bücher lesen, die mir was bedeuten und mich berühren]

3. Ich lebe. Ich bin hier.
4. Ich habe ein Dach über dem Kopf.
5. Ich habe keinen Hunger. Ich habe nur Appetit.
6. Ich habe keinen Durst. Ich trinke aus Lust.
7. Ich kann mich mitteilen.
8. Ich kann denken.
9. Ich kann mir Hilfe organisieren.
10. Ich bin ich.

Von da geht es weiter...wer ist "Ich"?
Eben hatte ich es schon erwähnt...Ich kann auch ein Survivor-Typ sein. Der, der mit 40 Jahren sagt "Warum passiert mir immer so eine Scheiße?" kann auch von sich sagen "Ich handle aber auch seit 40 Jahren all diese Scheiße". Manchmal geht es im Leben darum, den Blickwinkel zu ändern. Das Gras ist auf der anderen Seite grüner - aber nur aus deiner Perspektive. Du steckst nicht in den Schuhen vom Gärtner nebenan. Kann sein, dass du gar nicht der Typ für so viel grün bist. Dass du gar nicht leisten kannst oder willst, was für so viel grün notwendig ist.

Führe deine Liste fleißig fort. Nimm den Zettel ruhig mit, wenn du unterwegs bist. Es könnten auch Punkte darauf, wie "Dass es Sommer gibt." oder "Dass ich angelächelt werde". Egal, was es ist, dass dich dankbar macht - schreib es auf. Denk drüber nach. Investier in diese Dankbarkeit. Sie wird dir helfen, dich aus dem eisernen Griff des Neides zu befreien. Na ja, oder zumindest wird es helfen, den Griff immer dann zu lockern, wenn er grade beginnt, dir die Luft abzuschnüren. Versprochen.
Diese Liste der Dankbarkeit wird mal Gold wert sein!

5. Realität, bitte!


Der letzte Punkt, der dich vermutlich runterzieht, ist die Realität. Ihre bloße Existenz = da draußen, aber nicht in dir drinnen! In dir drinnen sind Ideale. Idealvorstellungen. Mogelpackungen, die dir die Werbung, oder die Lügen deiner Eltern, oder die schlechten Vorbilder deiner Kindheit, oder dieser eine bewundernswert verrückte Mensch von damals, oder Hollywood & Co. dir eingetrichtert haben. Ganz ähnlich, wie bei dem Glücksmantra, kann man auch anderen BS in sich reinstopfen und ein Leben lang daran glauben. Zum Beispiel, dass es die wahre Liebe gibt. Es ist nicht so, dass es sie nicht gibt. Aber es ist auch nicht so, dass es sie geben muss. Das ist wie mit Gott. Es ist nicht bewiesen, dass es ihn nicht gibt. Es ist aber auch nicht bewiesen, dass es ihn gibt. Du kannst an ihn glauben, du kannst ihn suchen, du kannst akzeptieren, dass andere an ihn glauben und du kannst sagen, den gibts nicht. Alles legitim. Aber schneide dir mit deiner Position nicht ins eigene Fleisch! Wenn er dir begegnet, sag nicht "Den gibts gar nicht, ich halluziniere! Was war in dem Kaffee drin?" Sag: Hej....boahh...das ist...das ist GOTT!!!!! (= Liebe)
Und wenn du ihn nicht persönlich triffst, dann sag halt: Ich glaube an andere Dinge. Aber ich glaube. (= auch eine Art zu lieben!)
Die Realität ist, dass das Leben dir ständig Gelegenheit bietet, sie anzuerkennen. Sie anzunehmen. Du musst nicht an deinen Idealvorstellungen festhalten. Du solltest dich an der Realität orientieren. Die schützt dich zum Beispiel davor, immer wieder mit denselben Blödmännern im Bett zu landen. Sie schützt dich auch davor, jemand zu sein, der du einfach nicht bist. Sie hilft dir außerdem, deine Stärken und deine Schwächen zu erkennen. Und sie hilft dir, nicht nur die Leute rauszufiltern, die den Fokus auf deinen Schwächen haben. Die Realität ist eine wenig beachtete Gefährtin, die nichts anderes im Sinn hat, als uns auf Kurs zu bringen. Sie ist wie ein gut geeichter Kompass, aus dem wir leider allzuoft die Nadel entfernen, um dann irritiert auf N - O - S - W zu starren und zu klagen "Der hilft mir jetzt auch nicht weiter". Realität möchte nicht mit Wahrheit verwechselt werden. Sie erhebt Anspruch auf Objektivität, das heißt vor allem Messbarkeit.
Wenn du der Realität die Chance gibst, sich an deinen Mogelpackungen vorbeizudrängen, dann hat sie wiederum die Chance, dich weiterzubringen. Nicht nur auf Kurs, sondern vorwärts. Denn wenn du die "Szenen einer Ehe" abschüttelst, kann da ne richtig runde, selbstgemachte Sache draus werden.
Denk an die hässlichen Tongefäße deiner Kinder, wie stolz sie auf diese peinlichen Kultobjekte einer jeden Elternwohnung sind...sie sind stolz, und du voller Liebe. So ist das mit der Realität - die braucht kein WMF oder Rosenthal, um zu punkten. Sondern nur die richtige Sicht auf die Dinge.
Sprich: Der eine hats mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gemacht und dir aus Liebe geschenkt. Du hast es aus Liebe mit allen dir zur Verfügung stehenden Mitteln gelobt. Ein traumhaftes Ende - so könnte dein ganzes Leben sein!

Wenn du noch mehr Perspektivwechselnde Geschichten willst, lies mal hier rein....gefällt mir voll gut und wurde erstaunlich oft übersehen. Wir sind alle gleich!


Foto as usual von Ryan McGuire, gratisography


Donnerstag, 11. August 2016

Junes KINDER ABC




A Aa gemacht – Aber – Ahhh! – Arsch – Arschloch – Aua – Auto B Baba – Baby - Bagger – Besser - B*tch – Bitte – Biiiiitteeee – Blöd – Blödmann – Bob der Baumeister –  Bibi Blocksberg C Check ich nicht - Cool D Da – Darf ich auch mal? - Das darfst du nicht! – Das darf man nicht! – Das ist ungerecht! – Das ist gemein! – Das sagt man nicht! – Das ist meins! – Das ist für mich! – Darth Vader – Doch! – Doofmann – Digga – Das war ich nicht – Danke – Die andern dürfen auch alle - Du schummelst! E Echt? – Ehrlich – Egal – Ehm – Erster! F Falsch –Facebook – Fett  – Feuerwehr – Feeertig! – F*ck dich – F*cken – Frau X hat gesagt – Furzen – Fußball G Gangsta – Gar nicht – Gummibärchen – Geht das? – Geht nicht  - Geenauu – Größer – Geil H Haha! – Hast du gar nicht – Hab ich gar nicht – Hast du wohl – Hab ich nicht – Heute? – Herr X hat gesagt - Hm? – Hä? I Iiiiiii – Ich – Igitt – Ich weiß nicht – Ich will nicht – Ich mag nicht – Ich kann das nicht – Ich will aber – Ich brauche das – Ich muss mal – Ich trau mich nicht – In echt? – Ist mir doch egal J Ja – Jo K Kann ich auch mal ? – Kannst du gar nicht – Kann ich wohl – Kann er nicht – Kannst du mich nicht einmal in Ruhe lassen – Kann ich das haben? – Kann ich das kaufen? – Kannst du mir Geld leihen? – Kannst du mich da hinbringen? – Kannst du mir mal helfen? – Kaka gemacht – Keine  Ahnung – Kein Bock – Keine Lust – Klar – Kotz! – Kiffer – Krass - Kaputt L Lach – Lass mich – Lol – Loser – Lügner – Luke Skywalker M Mama – Mach mich nicht an – Mach ich – Mach ich nicht – Mannoo – Meins – Mecker mecker mecker – Mutti – Muschi  N Na? – Na gut – Nee – Nein – Nö O O! – O o! – Oaaa – Ohhh – O nein – Okay P Papa – Pech gehabt – Pferd - Pfosten – Pipi – Pippi Langstrumpf - Pimmel – Polizei - Pokemon Q R Rate mal was ich habe? – Richtig – Riesengroß S Schneller – Scheiß – Scheiße - Scheiße sagt man nicht – Schön – Sex – Snapchat – Star Wars – Stimmt gar nicht – Stimmt wohl – Stoned T Tada! – Tatütata – Titten – Toll  – Total - U Und? V Vielleicht – Versprochen – Voll – Voll nicht - Vollpfosten – Vorglühen W Warum? – Warum immer ich? – Warum nicht? – Was? – What? – Wauwau – Weißt  du was? – Wieso ? – W*xer – Wer? – Wer sagt das? – Waaaa? – Whack – Whattup? - Whatsapp – Warcraft – Wo – Wann – Wohin – Wo bin ich? – Wo warst du? – Wo ward ihr? – Weiß ich doch nicht!  X Y Y? Z Zocken - Zicke  

Mittwoch, 10. August 2016

Relaxed&Stiefmom
Nicht aufgeben

Heute hat Susanne Petermann in ihrem Stiefmutterblog einen Text ihrer Freundin Sabi veröffentlicht. "Ich bin gescheitert" - das ist Sabis Aussage. Sie beschreibt, wie sie sich selbst verleugnet und aufgegeben hat. Wie sie, weil sie ihr authentisches Ich verbergen musste, den, der ihr authentisches Ich hätte lieben sollen, abzulehnen begann. Wie sie letztlich nach elf Jahren Patchworkfamilie aufgeben musste. Ihr Beziehungsende kommt einer fristlosen Kündigung gleich. Sie erhielt einen Brief ihres Mannes mit der Bitte auszuziehen.

Schattendasein: Die Beziehung steht im Patchwork oft an letzter Stelle...das darf sie nicht!


Wie schafft man es aber zu bleiben? Wie hält man es aus, nicht (immer) authentisch zu sein?
Darf man sein wahres Ich verleugnen? Hier ein paar Situationen und Sätze, an die ich spontan beim Lesen von Sabis Bericht denken musste, die uns und vor allem mir geholfen haben.

"Sie (die Bonuskinder) können ja nichts für die Situation"....
Das war ein stehendes Mantra. Es tat gut, sie nicht zu Schuldigen zu machen. Zu Verursachern. Aber irgendwann musste ich damit aufhören mir das zu sagen. Nein, Scheidungskinder können nichts für die Situation. Aber spätestens wenn sie in anderen Situationen Vernunft, Rücksicht, Empathie und Verantwortung zeigen, darf man das für sich auch einfordern. Es ist gut ein Mantra zu haben - aber manchmal muss man sich von einem Mantra auch lösen. Eine Trennungssituation ist nämlich irgendwann einfach vorbei. Dann gibt es neue Umstände. Neue Situationen. Und an die passt man sich an. Irgendwann ist alles mal vorbei. Selbst nach dem Tod geht das Leben weiter.

"Ich möchte, dass sie hier auch ein Zuhause haben"...
Ja, das ist ein richtiger und wichtiger Ansatz. Aber ein Zuhause haben heißt nicht nur, dass man einen Raum ohne Reibung und ohne Ecken und Kanten anbietet. Das wäre dann ein Wellnesstempel, und darin lebt man nicht, darin macht man Urlaub. Wenn die Kinder in keiner emotionalen Notlage sind, brauchen sie vom Leben keinen Urlaub. Sondern Räume, in denen sie ihre Grenzen spüren. Sich selbst spüren. Menschen, von denen sie sich unterscheiden, an denen sie sich aber auch orientieren können. Ich habe am Anfang viel Energie in das Konzept "Wellnessoase" gesteckt. Klar, wenn man die Kinder nur an Wochenenden bekommt - was soll man am Wochenende anderes machen, als eine schöne Zeit haben? Aber irgendwann sind die Kinder öfter da. Übernimmt man mehr Verantwortung. Beginnt man die Dinge zu tun, die Vater oder Mutter auch tun würden. Spätestens dann beginnen die Reibungen. Die muss man aushalten. Das geht nur, wenn man zu sich und seinen Entscheidungen steht. Ein richtiges Zuhause ist, wo alle ihren Raum haben  - nicht nur die Kinder!

"Meine Kinder sind das Allerwichtigste"...
Natürlich hat mein Mann das auch gesagt. Und er empfindet es auch heute so. Inzwischen inkludiert dieser Satz auch unsere gemeinsame Tochter. Ich werde auch ihretwegen kritisiert, wenn er findet, dass ich zu streng bin oder zu ungeduldig. Ja, seine Kinder sind ihm heilig. Aber muss man sie dann auch wie Paschas behandeln? Muss man ihnen fortwährend huldigen? Muss man alles tun, was sie wollen? Muss man all ihre Launen mitmachen? Nein. Denn man bleibt ja auch Vorbild und Erzieher. Wie habe ich meinem Mann geholfen, als er vor der Wahl stand seinen Kindern alles durchgehen zu lassen, oder Grenzen zu setzen? Ich musste ihn immer wieder davon überzeugen, dass er ein guter Vater ist. Auch wenn er kein positives Feedback von seinen Kindern bekommt. Klar - "Papa du Arschloch!" - das ist ziemlich unmissverständlich. Kein so schmeichelndes Feedback. ABER es heißt auch mehr. Es heißt "Papa, ich reibe mich an deinen Entscheidungen" und "Papa, ich bin wütend auf dich" oder auch "Papa, ich fühle anders als du". Ist das abzulehnen? Ist das nicht Feedback, das zu einer guten Beziehung gehört? Wenn euer Mann diese Art Rückmeldungen seiner Kinder nicht erträgt, würde ich schnell das Weite suchen. Der ist aus Zucker und schmilzt im Regen!
Arschloch ist wirklich nur ein Wort. Man kann es durch obige und andere Sätze ersetzen.
Es bedeutet nicht "Du Arschloch", es bedeutet "Hej, wir müssen jetzt an unserer Beziehung arbeiten, mir stinkts!". Mein Mann hat die Arschloch-Feedback-Variante geschluckt, sich viele Nächte von mir volllullen lassen ("Du bist ein guuuuuter Vater...ein feeeiiiner Vater....so ein feeeiiiiner Vater..." ;-)) und hat AUCH von mir viel Rückenstärkung und Rückendeckung erhalten. Das ist keine Einbahnstraße!

"Das nervt"...
Oh ja. Es nervt, wenn sich die Bonuskinder nicht so verhalten, wie man es möchte. Ach was..."möchte". Wie man es mag. Wie man es richtig findet. Wie man es nach kantscher Manier für alle Menschheit bevorzugt! Nerven ist ein Euphemismus für das, was wirklich in einem passiert, wenn die Bonuskinder auf der Klaviatur unseres Nervengeflechts Eishockey spielen. Die Frage ist: Schlucken oder Kotzen? Die Antwort = Reden!
Reden reden reden. Manches kann man nicht ändern. Das muss man akzeptieren. Aber dann muss man es sagen dürfen. Dann muss es raus dürfen. Und wem sagt man das? Dem Vater! Warum nicht den Kindern? Wenn es etwas ist, das sich nicht (mehr) ändern lässt, warum einen sinnlosen Konflikt mit ihnen darüber losbrechen? Oder wenn man vielleicht in Wirklichkeit nur kleinlich und kleinkariert ist, wieso darüber einen Konflikt ausbrechen lassen? Wenn ich nur schlucken würde, würde ich platzen. Ich bin streng, ich bin manchmal kleinkariert, ich bin spitzfindig und ich bin "altmodischst", wie mein Mann liebevoll meint. Ja - im Bezug auf Familie, Ehe und Kinder kann ich auch locker in die 80er Jahre rein. Wo Frauen emanzipiert sind und die Eltern noch die Hosen anhaben. Wo unser Wort Gesetz ist in Ewigkeit - Amen. Ja, da passe ich durchaus hin. Aber ich bin auch modern und aufgeschlossen und unkonventionell und ideenreich - und deshalb findet mein absolut unstrenger, großzügiger, nachsichtiger, beide Augen zudrückender und ständig vor Strenge zurückschreckender Mann mich aushaltbar. Und sogar gut ;-) Aber NUR weil wir reden. Weil er aushält, was ich zu sagen habe, auch wenn es ihn manchmal verletzt. Weil er mir dankt, dass ich kein Drama draus mache, wenn mich etwas "nervt". Sondern es ihm einfach frei heraus sage. Und es dann gut sein lasse. Das muss man üben, das ging nicht von heut auf morgen. Zuerst hat er mit erhobenem Zeigefinger gegen gehalten und ist richtig laut geworden. Recht hatte ich in 90% der Fälle am Ende trotzdem. Also hat er den Finger eingesteckt und mir zugehört. Ich musste dafür akzeptieren, dass er nicht loszieht und die Welt (oder seine Kinder) ändert, nur weil mir was nicht passt. Aber dass er mir zuhört, mich ernst nimmt und mir sogar manchmal zumindest in Worten Recht gibt: Das hat mir gut getan.
"Das nervt"...man muss es sagen, ums zu ertragen!

Am Ende zählt, dass wir alle lernen einander zu akzeptieren.
Die Kinder können schon was dafür, wie sie sind. Sie entscheiden ja auch ganz viel selbst. Aber das gilt auch für uns! Egal wie nett und freundlich und engagiert wir uns selbst vorkommen, es muss trotzdem nicht zu einem Sympathiesturm führen. Kann sein, dass man uns trotzdem tollerieren muss, oder sogar akzeptieren - selbst, wenn wir uns mit Geschenkverband präsentieren! Und ja - unseren Mann und seine Rolle, seinen Wunsch von den Kindern geliebt zu werden und seine Einstellung "Meine Kinder sind heilig" müssen wir auch zu einem gewissen Grad akzeptieren. Ebenso wie die Spannungen, die sehr unterschiedliche Erziehungsstrategien mit sich bringen.
Akzeptanz - das geht nur, wenn wir zu uns selbst stehen und auch zu den anderen!

Stimmts ;-)



Donnerstag, 14. Juli 2016

MamaGedanken
Was wäre, wenn...? Wär ich dann anders?

Was wäre, wenn ich wüsste: Die kriegt drei Kinder, alle vier werden 100 und zusammen vererben sie 40 Millionen


"Was wäre, wenn..." 

Ich habe drei Kinder.
Das muss man sich manchmal echt auf der Zunge zergehen lassen. Drei. Ich habe eine Pubertät von A bis Z durch, stecke in der zweiten Pubertät von A bis Z drin und erwarte mit Grauen die dritte.
Ich habe drei Kinder. Obwohl Alpha und Beta nicht von mir sind, habe ich mich immer reingekniet. Ich bin stinksauer auf sie und ich freue mich riesig mit ihnen. Ich liebe sie und ich kotze über sie ab. Ich möchte ein gutes Verhältnis zu ihnen haben und freue mich genauso, wenn ich mal meine Ruhe vor ihnen habe. Meine zwei Bonuskinder sind eben auch meine Kinder.

Drei Kinder....

Mein Mann fragte mich letztens:

Was wäre, wenn du in die Zukunft blicken könntest und wüsstest, alles wird gut?

Wärst du dann eine andere Mutter?


Habt ihr darüber schonmal nachgedacht? Wenn ihr Gewissheit hättet...würde das was ändern?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, eure Kinder werden "ewig" leben?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, sie würden alle mindestens glückliche 100 Jahre alt und am Ende ihrer Tage zufrieden auf ihr Leben zurückblicken?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, dass ihr zu allen enge, freundschaftliche und auf Augenhöhe ruhende Beziehungen führen werdet - egal was war und egal was käme?

Wärd ihr dann eine andere Mutter? Andere Väter? Oder Großeltern? Oder Geschwister?

Meine Antwort: einhundertpro JA!
Ich mache das hier nämlich alles, weil ich NICHT weiß, wie lang wir einander haben.
Weil ich weiß, dass alles vergänglich ist. Weil man sich an Glück nicht klammern kann.
Ich mache das, weil ich Teil all dessen sein möchte, was diese drei Menschen bewegt.
Ein kleiner oder großer Teil...egal, Hauptsache Teil.


Mein anderes "Ich"

Wenn ich Garantien hätte, würde ich öfter mal eine Woche abhauen. Die Welt sehen. Mir frei nehmen von der Familie. Weil ich Bedürfnisse habe, die hinter denen meiner Familie zurückstehen. Deshalb.
Wenn ich Garantien hätte, würde ich nicht zögern, mehr Egoismus zu leben.
Um ein freierer Mensch zu sein.
Ich würde meine Entscheidungen mehr entkoppeln von dem, was für meine Kinder gut zu sein scheint.
Ich würde auch öfter sagen "Weißt du was, das sind deine Kinder. Das ist dein Problem."


Mehr Nein

Ich würde vor allem viel öfter "Nein" sagen.
Nein zu nochmal Kuscheln, zu noch eine Geschichte lesen, noch ein Brot schmieren, noch fünf Minuten länger bleiben, noch mit dieser Mutter oder mit jenem Kind reden, noch zugucken, noch warten, noch winken, noch hinterherlaufen...nein zu all den Situationen, in denen mein egoistisches Ich gern faul wäre, oder woanders, oder einfach schon tödlich gelangweilt oder mega gereizt ist.
Mein anderes Ich würde mehr Geld für sich ausgeben und weniger für die Kinder.
Mein anderes Ich wäre näher an meinem OhneKinder-Ich dran.

Warum wir JA sagen und DA sind

Die schlichte Wahrheit ist, dass wir ohne Garantien wissen, dass alles nur ein Traum ist, der zerplatzen kann, wie eine Seifenblase. 

Menschen sterben. Menschen wenden sich ab. Menschen melden sich nie wieder. Menschen vergessen. Menschen verzeihen nicht alles. 

Familie ist ein zerrüttbares, fragiles und vor allem von Einbildungen gebautes Gerüst aus Situationen, die den nächsten Tag, das nächste Jahr, vielleicht das ganze Leben beeinflussen können. Und sie können dies, weil wir nie wissen, wie sie Einfluss nehmen werden. Deshalb sind wir Eltern hartnäckig, deshalb bleiben wir involviert, deshalb stecken wir so viel Zeit und Gedanken in unsere Kinder, auch wenn es die banalsten Dinge sind, die uns so beschäftigt halten: Weil alles endlich ist. Weil alles eine gut gepflegte, mit viel Aufwand aufrecht gehaltene Hoffnung ist. Ein ständig bearbeitbarer Traum. Etwas, woraus wir nicht erwachen möchten.

Warum dieser Text?


Weil ich möchte, dass ihr eure Ja´s nicht ständig in Zweifel zieht.
Weil ich möchte, dass ihr euer "übertriebenes" Parenting nicht zerredet und auch nicht zerreden lasst.
Weil ich möchte, dass ihr euer Engagement versteht.
Weil ich möchte, dass ihr genießt, was ihr euch aufgebaut habt!

BerlinMitteMom hat diesen Post auch mitzuverantworten...sie schrieb darüber, wenn Mütter sterben.

Was wäre, wenn....

Tja. Bei mir wär alles anders.

Montag, 4. Juli 2016

MamaGedanken
Was du nicht weißt, wenn du keine Kinder hast

Es gibt kein RICHTIG oder FALSCH: Es gibt nur eins: SCHLAF SCHLAF SCHLAF

Während man seine Augenringe spazieren fährt und der schwere Milchbusen auf dem breiten Gummibügel des Mondbuggys ruht, während der Nachfahre nicht mehr schreit und in apathischen Schlaf gefallen ist, und während endlich die Gedanken um Dinge, wie "Schlaf Schlaf Schlaf" kreisen, sieht man sie: Diese Pärchen, die einen so mitleidig angucken, wie es fairer Weise nur echten Opfern gebührt, und sich dabei kurze "Oh Gott, wir werden nie so"- Blicke schenken, als hätten sie ein Patent auf das Leben mit Kind, das ihre Elternzeit überirdisch easy machen wird. Diese 60 - 40 - 60 Modelmädchen, diese "Ich bin mit 30 noch nicht alt genug für Kinder" - Jungs, die händchenhaltend ihre Liebsten streicheln (ihre Smartphones), dabei Lattes und BioZischs schlürfen, und in Gedanken irgendwo außer beieinander sind, zum Beispiel im Album "Urlaub auf Bali", wo sie Likes zählen, oder bei Instagram, um zu schauen, ob ihr "Ich sitze hier und genieße meinen Latte in der Sonne" Selfie Anklang findet. Aber der Mondbusen...nein, der Mondbuggy rollt unberührt von der Naivität dieser erziehungsfernen Menschenschicht stoisch und sinnentleert, wie an jedem sonnigen Vormittag, durch den Park und kennt nur einen heiteren Gedanken "Schlaf Schlaf Schlaf" und nur ein heiteres Ziel "Es schläft, schnell nach Hause, Schlaf Schlaf Schlaf".

Wenn du noch kinderlos bist, dann wirst du auch denken "So werd ich nicht".
Freund oder Freundin: Doch, wirst du. Vielleicht sogar noch schlimmer, als wir. Vielleicht sogar noch schlimmer, als die Altvorderen. Weil du an deiner Freiheit und deiner Ungebundenheit so sehr hängst, dass du eine Beziehung mit dir selbst via Smartphone führst. Eine Beziehung, die du aufgeben musst.
Weil du als Eltern, vor allem in den ersten Jahren, nur einen Job hast: Da sein! Die hundertprozentige Anwesenheitspflicht! Und zwar, weil DAS so (oder so ähnlich) is´, wenn du Kinder hast....

Wenn du glaubst, dass du schlafen kannst, wenn du tot bist, erinnern dich deine Kinder von Anfang an daran, dass du ewig leben wirst - zumindest die ersten drei Jahre. Der Tod kann kommen? Nicht in Form von Schlaf. Ohh ja...schlafen kannst du, wenn du tot bist, aber vorher bist du wach. Für iiiiimmmeeerrrr!

Wenn du glaubst, A sagen führt auch zu A, dann hast du einfach noch nicht das ganze Alphabet der Alternativen zu A gehört. Don´t worry, deine zukünftigen Kinder werden dir viele Wenns und Abers beibringen, die du nicht (mehr) auf dem Kasten hast.

Wenn du aus dem Haus gehst, gehst du aus dem Haus. Weil du es jetzt willst. Weil du es jetzt musst. Genieß das. Mit Kindern kommt dir diese Selbstverständlichkeit (Tür auf, raus, Tür zu, abschließen, Tag beginnen) wie ein Wunder vor...so selten passiert das, was du willst, dann, wenn du es willst - und klappt einfach. Ohne Umstände.

Geteiltes Leid ist halbes Leid? Stimmt nicht. Ganz viel vom kindlichen Leid kann dein Kind für sich behalten. Den Verlust irgendeiner hässlichen Banalität aus dem Silikon-Skurrilitätenkabinett deines Nachwuchses kannst und wirst du nicht beweinen. Niemals! In Wirklichkeit ist das einer der wenigen Gründe für dich zu feiern! Heul doch, Nachwuchs. Es war hässlich und laut, Oma hats gegen meinen Willen gekauft, alle sind froh, dass es weg ist!

Freunde sind das Wichtigste für dich? Wer braucht Freunde, wenn er Schlaf haben kann? Ja, auch du mein Sohn Brutus...auch du wirst eines Tages wissen, was Eltern meinen, wenn sie sagen
"Freikarten für Beyonce? Sorry, ich hab babyfrei...ich will einfach nur schlafen".

Mein Sexleben wird nicht darunter leiden... Frag mal Komapatienten nach ihrem Sexleben. Paare mit 5 Kindern hatten noch genau 4 Mal Sex nachdem Nummero Uno zur Welt kam, glaub mir! Sexualität MIT Kindern im Haus geht so gut, wie mit neugierigen (Schwieger)Eltern im Haus. Dein Sexleben wird vielleicht nicht leiden, aber eures, oder ihres, oder seins...für einige Zeit. Bis der Komapatient erwacht oder das letzte Kind das Feld geräumt hat. So ungefähr.... ;-)

Mit 40 kauf ich mir einen Sportwagen. Ja, so einen, in den die zukünftige Nicht-Fußball-EM Mannschaft reinkrümelt...äh...reinpasst. Und das ist dann schon Luxus. Bei manchen passen nur große Reisekoffer, drei Kilo Windeln, ein Mondbuggy und zehn angefangene Hipp Biokekspackungen rein. Und das ist dann schon Luxus. Bei manchen passen nur 2 überdimensionale Babysitze rein. Und ein Kilo Windeln. Und ein Buggy. Ohne Mond. Und das ist dann schon Luxus. Manche haben immerhin noch selber Platz. Und das ist dann schon Luxus. Und mache haben ein BVG Abo. Da passt zwar ganz schön viel rein, sozusagen alles. Aber Luxus ist das nicht. Und es ist weit entfernt vom Sportwagen mit 40.

Ich mach alles anders. Anders als wer? Höchstens als du es dir vorgestellt hast. Klar, anders als deine Eltern, anders als der Milchbusen-Mondbuggyschiebende-Mutterzombie im Park von letztens, anders als deine Freundin gedacht hätte oder anders, als Bernhard Buebb empfiehlt: Aber falls du mit deinem "anders" irgendwie in Richtung "besser" und vor allem "richtig" abgezielt hast, muss ich dich enttäuschen. Anders kann jeder, der Rest ist eine unbekannte Variable auf die DU ALLEIN viiiiel zu wenig Einfluss hast.

Falls du jetzt wachliegst und dich fragst, ob du das Kind wirklich willst, oder ganz generell "Kinder", falls du Angst hast zu versagen oder nicht klarzukommen, es gibt gleich zwei Mal Trost!

Erstens: DU BIST NICHT ALLEIN! 
Dreh dich um, da liegt noch so ein Opfer an deiner Seite (mit Glück). Vergrauls nicht. Krauls lieber. Bring ihm einen Kaffee. Irgendwas als Wiederbelebungsmaßnahme. Das bindet. Oder schieb deinen müden Hintern durch den Park in irgendein Café. Vermutlich triffst du dort andere Hirntote, wie dich.

Zweitens: JUHU DU HAST KINDER!
Wenn du nicht vergisst, einfach mal dankbar zu sein, dass deine einzigen Probleme auf einer massiven energetischen Unterversorgung deines Gehirns basieren, kannst du voll aufatmen und diesen Zustand genießen lernen. Du hast ein Parenthangover vom Feinsten, wenn du voll bei der Sache bist. Andere Väter sind irgendwo und verwirklichen sich in ihren Karrieren. Die kriegen dann mit 50 eine Krise, weil sie die jungen Menschen, die ihnen gegenüber stehen, gar nicht kennen und die auch keinen Bock haben, Zeit mit ihrem Finanzminister zu verbringen. Die fangen deinen Stress dann manchmal mit 55 mit einer zwanzig Jahre jüngeren nochmal an. Und DANN genießen sie ihn komischer Weise richtig doll, mehr als du vielleicht, aber nur, weil sie das beim ersten Mal versäumt haben. Also genieß es einfach gleich und spar dir die Chinesische Wasserfolter kurz vor 60. Da willst du eigentlich so oft es geht Urlaub machen. Weil du dann keine Kinder mitnehmen musst und du überall den Seniorenpreis kriegst. Viiiiel gechillter! Versprochen.

Ach ja: Und die LIEBE wächst bekanntlich mit ihren Aufgaben. Hat mal ein berühmter Arzt gesagt. Also ran da. Jetzt weißt du ja, was du nicht wusstest, weil du keine Kinder hast.






Foto von Ryan McGuire: gratisography.com









Montag, 2. Mai 2016

Relaxed & Stiefmom
Langeweile mit Stiefkind? Das hilft!

Wettessen: Macht nicht nur Kindern Spaß


Zum ersten Mal allein mit dem Stiefkind? Schlechtes Wetter? Total müde? Kind gelangweilt und lustlos? Hier sind ein paar bühnenreife Ideen und Klassiker für Unterhaltungsprogramm, manche mit der Erlaubnis, selbst eher passiv zu bleiben ;-)

Zum ersten Mal allein mit Stiefkind

Keine Panik! Alle ersten Male sind anders, als man sie sich vorgestellt hat. Der Kreativität sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, aber manchmal...eben doch. Hier ein paar Ideen.

Wettbewerb
Viele Kinder, vor allem Schulkinder, lieben Wettbewerbe. Eingeleitet mit "Hast du schonmal...Wollen wir mal sehen, ob du das schaffst?" sind bestimmt 75% der Kinder angefixt. Sie wollen meistens auch herausfinden, ob sie "das" können.

Geschenke
Alle Kinder lieben Geschenke. Animiert sie dazu, Geschenke zu malen. Für Mama, Papa, Oma, Opa....keine Lust? Nun - alle Kinder lieben ja auch vor allem EIGENE Geschenke. Gut, dann soll es eben malen, was es sich wünschen würde. Fürs Leben. Zum Geburtstag. Für Mama/Papa. Auch keine Lust? Gut, dann soll es aus Katalogen ausschneiden, was es sich oder anderen wünscht und das alles auf Papier aufkleben. Wer weiß...vielleicht geht eines Tages ein Wunsch in Erfüllung?

Attacke!
Fast alle Kinder lieben es, gejagt zu werden. In irgendeiner Form. Zu faul (entschuldigt...müde) zum Aufstehen? Kein Problem. Hol alle Socken im Haushalt zusammen. Nur Sockenkullern zählen. Das ist deine Munition. Entweder im (trockenen) Garten oder auf der Couch positionieren. Ihr erinnert euch an Moorhuhn, oder Angry Birds? Die Kinder sind das Ziel. Sie sollen tanzen, springen, hin und her laufen, kriechen oder was auch immer. Du versuchst zu treffen. Zu langweilig, weil zu cool für sowas? Gut: Zielscheibe basteln (Pappe nehmen, Loch reinschneiden: Da durch werfen. Das soll "der Coole" probieren). Nett: Eine kleine Belohnung für xy Treffer, wie sich den Nachtisch fürs Abendessen aussuchen oder so. Ganz kleine Kinder (Kita) freuen sich auch über ein paar Glückscents.

Schlechtes Wetter

Keine Lust rauszugehen (was ein Klassiker wäre...)? Drinnen geht´s auch. Was außer TV & Co noch funktioniert.

Suchspiel
Versteck etwas in der Wohnung. Egal was. Wer es sucht, darf es
- behalten
- bekommt eine Belohnung
- darf bestimmen, was es zu Essen gibt
Interaktiv? Dann spielt abwechselnd. Ansonsten funktioniert das Spiel prima vom Sofa, Sessel, Schreibtisch aus...

Baden
Baden macht müde. Vor allem langes und ausgiebiges Baden. Egal ob Dusche oder Badewanne.
Am meisten Spaß macht es, Spritzen, Töpfe, Becher, Löffel, Spielzeug usw. mitzunehmen.
Nicht über Überschwemmungen schimpfen, lieber Wasserstand kontrollieren u. ggf. Wasser ablassen.
Danach geht Filmchen gucken, ins Bett bringen, Vorlesen usw. ohne Zuckungen, Murren oder Bewegungsdrang. 1 Stunde in der Wanne? Solange sie nicht unterkühlen: Kein Problem. Check das!

Sturmopfer
Ist ein Sturm draußen? Dann spielt eure Wohnung ist eine Höhle und ihr habt nach langer Reise darin Unterschlupf gesucht. Die Kinder sollen Butzen bauen, eben Schutzbunker. Gegessen wird unterm Tisch (sicher ist sicher). Die Kinder müssen beim Essenzubereiten helfen, wenn alle mitanpacken, werdet ihr fertig, bevor der Sturm zuschlägt.
Leider trifft der Strom die Elektrik. Unterm Tisch muss mit Taschenlampen oder Laternen gegessen werden. Die Kinder dürfen sich ein Schlaflager an ungewöhnlicher Stelle aufbauen (im Wohnzimmer, unter der Treppe, im Badezimmer usw.).

Total müde

Ich kenne das. Es ist auf jedenfall zu früh zum Aufstehen. Oder die Nacht war viel zu lang. Oder die Woche ganz schön stressig. Alles was man will ist Ruhe. Aber eigentlich ist das grad nicht drin...oder....?

Schwerkrank
Spiel schwerkrank. Bleib im Bett. Ihr spielt Krankenhaus. Oder verwundeter Soldat. Oder getroffener Indianer. Stöhne. Du brauchst Wasser. Du brauchst ein Fieberthermometer. Du brauchst eine Decke. Du brauchst Frühstück. Funktioniert sehr gut, wenn die Kids klein sind und sich noch gern in Rollenspielen verlieren (Kita). Nie vergessen das Kind in seiner Souverenität als Herr oder Frau Doktor ernstzunehmen. So holst du noch mindestens 30 Minuten Bettlägerigkeit heraus. Und vielleicht ein kleckeriges Frühstück im Bett.

Roboter
Keine Lust zu reden? Kein Problem. Kinder (Kita und Grundschule) lieben es, wenn Erwachsene in neue Rollen schlüpfen. Ein Roboter könnte zB sehr langsam sein. Schlecht hören. Alles falsch verstehen. "Ich hab Hunger", Robo: "Du suchst Klunker?", "Mir ist langweilig", Robo: "Du bist scheinheilig?" Wenn man das lustig rüberbringt (und nicht zu oft, Kinder hassen es nicht ernst genommen zu werden...wie wir...), kann man so sehr langsam und gemächlich arbeiten. Kochen oder so. Keine Lust aufzustehen? Die Kinder müssen den Roboter in die richtige Position bringen, damit er aufstehen kann. Kleine lieben das.

Verbotene Früchte sind besonders süß
Wenn du wirklich keine Lust hast, aufzustehen, musst du was bieten. Die meisten Kinder lieben "Ausnahmen". Erlaube ihnen etwas, was du sonst nicht erlaubst. Sich mit euren Klamotten verkleiden. Deinen Schmuck anprobieren. Allein in den Keller oder auf den Dachboden gehen. Irgendetwas wird dir einfallen. Kalkuliertes Risiko: Kannst du verkraften, wenn was zu Bruch geht? Wenn ja: Freie Fahrt für die Kinder.

"Schlafender Blockwart"
Wenn du so müde bist, dass du nur liegen möchtest, die Kleinen aber noch Beaufsichtigung brauchen, leg dich a) zu ihnen und b) in die Tür. Machs dir dort gemütlich, wo sie nicht ohne deine Aufsicht vorbeikommen. Leiste ihnen passiv Gesellschaft, indem du bei ihnen ruhst. In einem schönen Kinderzimmer findet irgendwann jedes Kind Beschäftigung, vor allem wenn du auf diese Art so deutlich demonstrierst, dass bei dir nichts weiter zu holen ist.

Billige Versprechen
"Wenn du es schaffst, eine Stunde ganz leise zu sein, bekommst du von mir...."
Wecker stellen und den Ehrgeiz laufen lassen. Alles ab einer halben Stunde sollte irgendwie belohnt werden. Wer das ohne Schimpfen trainiert und Belohnungen, wie doppelten Nachtisch oder eine Tüte Gummibärchen ausgibt, hat ein paar Jahre lang ein bisschen mehr Ruhe. Bitte keine großen Geschenke oder Geld. Kinder sind wie Aktionäre. Die wollen immer mehr, wenn das nicht klappt, steigen sie aus dem Geschäft aus.


Langeweile & "O nö, keine Lust"

Gelangweilte Kinder sind mitunter das Schlimmste auf der Welt. Weil sie einen das ständig wissen lassen müssen. Hier ein paar Ideen, die Langeweile ausknipsen helfen.

Wettessen
Da ja eh gegessen wird, funktioniert das eigentlich immer. Entweder man arbeitet mit Stoppuhr oder mit Menge, also "Wer in 1 Minute das und das isst" versus "Wer es schafft, 10 davon zu essen" usw. An jedem Wettbewerb muss ein Gewinn hängen, das kann eine Urkunde sein (vorher vorbereiten!), eine Wunscherfüllung (möglichst mit Bezug auf Essen) oder einfach nur Ruhm und Ehre. Man kann das mit gesundem Essen (Wer 5 Stück Rosenkohl isst, der...) oder mit ungewöhnlichem Essen machen.("Wer sich traut, das zu probieren, bekommt...).

Reise durch den Kühlschrank
Gut bei Geschwistern oder Besuch von ebenfalls gelangweilten Freunden ist die Reise durch den Kühlschrank. Man stellt von allem, was man so im Kühlschrank findet einen Becher voll oder ein Schälchen/Tellerchen voll davon auf den Tisch. Vielleicht im Kreis. Jeder bekommt eine Spielfigur, einen Zettel und einen Stift. Wer würfelt, setzt seine Figur entlang der Essenreihe weiter, bis er vor seinem Teller/Becher steht. Dann muss er entweder probieren (+ 1 Punkt) oder passen (-1 Punkt). Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Besonders schön mit Stinkekäse, roher Zuccini, Fisch etc.

Krieg & Frieden
Willst du deinen Frieden, dann wähle den Krieg. Fast alle Kinder lieben das Kämpfen in verschiedenen Varianten und das dazugehörige Rollenspiel. Eine kann sein, sich wie ein Soldat, Ninja, Ritter o.ä. verkleiden und schminken zu dürfen um dann eine "Fotosession" zu machen. Eine Steigerung: Das Bild wird ausgedruckt mit den Worten "Gesucht. 10.000 Euro Kopfgeld als Belohnung". Insbesondere Jungen werden sich dieses Poster stolz aufhängen. Wer klein ist, wär gern ein großer Verbrecher ;-)
Ältere Kinder haben vielleicht ein Lieblingsspiel (Angry Birds), das man wunderbar mit Küchengummi, einer Zwille und einem labilen Ziel nachspielen kann (Turm aus Bauklötzen, aus Klopapierrollen etc.). Manche Kinder gucken gern zu und vergeben Punkte (gern mit gemaltem Schild) für einen gelungenen Kampf. Entweder man steigt mit ihnen oder mit dem LG in den Ring. Vorher Regeln erklären. Dann (sanft, es sind ja noch Kinder...) losfighten. Die Zuschauer entscheiden, wer gewonnen hat.

GNTM oder DSDS
Selbst wenn sie es noch nicht kennen: Die meisten Kinder ab ca. 6 Jahren lieben es, ihre Stars zu immitieren. Also macht eine eigene "Mini-Playback-Show", mit Jury natürlich, und die Kinder dürfen Model oder Sänger oder sonst jemanden nachahmen. Macht wirklich großen Spaß! Videokamera (heimlich) aufstellen nicht vergessen.

Klassiker


  • Malen
  • Ausmalen
  • Basteln (Pinterest = Ideenfundgrube)
  • Vorlesen
  • Stadtbibliothek besuchen, Bücher und Spiele mit nach Hause bringen
  • uralte Filme gucken (aus den 60ger und 70ger Jahren, z.B. Sindbad, Gwanghi, Godzilla)
  • uralte Märchen gucken (die tschechischen...)
  • eine Sammlung beginnen (Muscheln, Schrauben, Knöpfe, Stoffreste, Briefmarken, Sticker...)
  • Fahrradtour
  • Sport machen
  • Spielplatz 
  • Freunde besuchen
  • Freunde einladen
  • Spaziergang
  • gemeinsam kochen
  • gemeinsam aufräumen
  • i.d. Wohnung verstecken spielen

Letzte Tipps für weitere Tipps


Bibliotheken
haben ganz oft Veranstaltungen, z.B. Vorlesungen oder Theaterstücke, oft kostenlos

VHS
Viele Volkshochschulen bieten für wenig Geld Aktivitäten für Erwachsene und Kinder an, etwa einen Kochkurs, oder einen Schnupperkurs im Aquarellieren, oder eine Nachtwanderung durch einen Park usw. 

Museen
Viele Museen haben auch und insbesondere für Kinder Veranstaltungen

Sportverein
Viele Sportvereine veranstalten Feste und Feierlichkeiten, wo das Können der Mitglieder gezeigt wird, während man an den Reihen selbstgebackener Kuchen, schlechten Kaffees, selbstgemachter Salate und Butterbrote vorbeiwandern und sich für kleinen Groschen satt essen kann.

Schulfest
Alle Schulen veranstalten Feste. Aber nicht jede Schule zur selben Zeit. Es ist völlig unerheblich, ob man jemanden an der Schule kennt, oder nicht. Wenn es eine Hüpfburg, eine Theatervorstellung, Ballwurfspiele und Ballons gibt, ist man immer richtig. 


Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisoraphy


Samstag, 23. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Trennungsfamilien
Sollten Neu & Alt an einem Strang ziehen, oder ist das moderner Quatsch?

Die moderne Patchworkfamilie: Für wen eigentlich modern?

Es ist nichts Neues, wenn Erwachsene aus Liebe zu einem anderen Erwachsenen dessen Kinder als die eigenen (mit)annehmen. Das war nicht nur in Kriegszeiten so, wenn Männer gefallen waren und Frauen mit ihren Kindern allein zurückblieben. Das ist beim Thema ungewollte Schwangerschaft so, wenn der Vater vielleicht gar kein Interesse daran hat, Kinder zu haben. Das ist beim Thema Kuckuckskind so. Und da Trennungen nun wirklich nicht erst heute erfunden wurden, ist es auch bei ihnen so. Es ist eine falsche Behauptung, die gern aufgestellt wird, dass Patchworkfamilien ein Novum sind. Neu ist eher die Art und Weise, wie Patchwork in unserer Gesellschaft gelebt und verstanden wird. Für uns neu ist: Alle kümmern sich ums Kind, die Ex und die Neue ziehen möglichst an einem Strang, der Ex verträgt sich mit dem Neuen, besondere Feiertage und Geburtstage werden zusammen gefeiert, die Stiefeltern spielen plötzlich eine zentrale Rolle. Diesem Ideal versuchen Viele zu entsprechen, in Medien wie Familienmagazinen werden erfolgreiche Beispiele zelebriert.

Andere Normen, andere Sitten

Jada Pinkett Smith mit ihren 2 eigenen Kindern und Will Smiths Exfrau plus Sohn aus erster Ehe: Sie sind gute Vorbilder!
Foto von ihrer öffentlichen Facebookseite HIER

Tatsächlich gibt es Kulturen, in denen genau das seit langen Zeiten Gang und Gebe ist. Das heißt nicht(!), dass diese Kulturen den Dreh raus haben und Experten sind, denen man alles abschauen darf. Wenn es schon in der normalen Kernfamilie Fehden und Parteikämpfe gibt, wird es diese zwangsläufig auch in Patchworkfamilien geben.
Aber den Erwachsenen dieser Kulturen wird eines in Sachen Trennung ganz deutlich gemacht:
Es geht hier nicht um dich!  

Eine Kernaussage, die ich fortwährend den gestressten Eltern in Trennung sagen möchte, wenn sie - um ihren Stress zu mindern - alles daran setzen, ihre Kinder vom Stressor fernzuhalten. Egal wie stressig das eigene Leben nach Trennung wegen ihm oder ihr ist: Es geht nicht um dich! Es geht nicht um ihn! Es geht um die Kinder - und sie haben ein Recht auf ihre Familie.

Hab ich das aus Büchern? Zum Teil. Und Black Hollywood hat auch etwas damit zu tun. Aber vor allem basiert mein Wissen auf Überlieferungen und eigenen Erfahrungen. In meiner Familie nämlich, und in vielen anderen black-american Familien, wird das so gemacht. Die Erwachsenen haben nicht einmal die Wahl. Sie können sich nicht einfach aus dem System verabschieden und sagen "Ich habe jetzt eine neue Familie, ich will mit meiner Ex nichts zu tun haben". Dann kommen die Ältesten zusammen und setzen einen unter Druck. Sie sagen dann Dinge, wie "Die Kinder haben sich diese Situation nicht ausgesucht" oder "Die Kinder sind alle miteinander verwandt, ihr dürft sie nicht trennen". Dass ich einen Mann mit zwei Kindern aus erster Ehe liebe und mit ihm eine Familie gründen wollte, war überhaupt nichts Besonderes. Ich werde darauf hingewiesen, keinen Unterschied zwischen meinen und seinen Kindern zu machen. "Das muss ihnen doch weh tun, sie haben doch alle den gleichen Vater". Ich werde ermahnt, sie alle "meine Kinder" zu nennen, wenn ich von ihnen rede, denn " Du hast dich ja auch für sie entschieden, nicht nur für ihn". Wenn wir meine Familie besuchen, fragen sie "Wann bringst du mal alle Kinder mit?" Wer sich in meiner Familie trennt, von dem wird erwartet das Opfer zu bringen sich dem Willen der Familie zu beugen. Familie ist ein großes Ganzes, wie eine Patchworkdecke. "Jeder einzelne gehört dazu, jeder bringt seine Geschichte mit". Glaubt ihr, das wäre nur in meiner Familie so? Nun, wenn man Filme sieht, die schwarze Familienkultur (also nicht die Brady Family) portraitieren, dann ist dieses Modell seit Jahrzehnten ein klassisches Thema schwarzer Filmkultur. Es überzieht den amerikanischen Kontinent, es ist kein verrückter Flitz eines einzigen Familienzweigs, dem ich zufällig entstamme.

Was ich in meiner Familie gelernt habe -
Was ich versuche zu leben


Obwohl es immer schwierig ist, meine Kulturvorstellungen und meine Erfahrungen in ´das deutsche Modell´ zu integrieren, habe ich mir immer Mühe gegeben. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich diesbezüglich eine fremde Sprache spreche. Bei der Exfrau meines Mannes sind meine Vorschläge und Wünsche sprichwörtlich in Chinesisch angekommen. Sie konnte damit nichts anfangen und hat - gemäß ihrer Kultur - mit Abschottung und Ausgrenzung gearbeitet. Bis ich begriffen hatte, dass ich die Wahl habe, sie für den Rest unseres Lebens mit meinen kulturellen Idealvorstellungen zu nerven oder ihrer Kultur Respekt zu erweisen und sie in Frieden zu lassen - auch wenn meine Kultur mir sagt, dass es ein falscher Weg ist - habe ich Jahre gebraucht. Es war mein stillschweigendes Weihnachtsgeschenk an sie, nachdem es wieder einmal Streit gegeben hatte, dass ich sie endlich ´in Ruhe lasse´.  Ich gab auf, nett zu ihr zu sein, ihr Gefallen zu tun (Sie: "Kannst du Fotos von den Kindern machen? Aber ohne diesen amerikanischen Firlefanz, einfach ganz normale Fotos."), meinen Mann zu bewegen, was er alles für sie tun könnte und wo wir uns auf sein Drängen hin treffen und absprechen sollten...ich hörte auf, ihre geheime Freundin und Fürsprecherin im Hintergrund zu sein. Ich hörte auf, von gemeinsamen Unternehmungen oder - noch utopischer - Frieden zu träumen.

Meine Idealvorstellungen, die Gedanken beinhalteten, wie die unteren, waren ihr einfach fremd.

  • "Lass uns das gemeinsam machen"
  • "Lasst uns uns doch alle treffen und gemeinsam hinsetzen und reden" 
  • "Du kannst auch mich anrufen, wenn was mit den Kindern ist" 
  • "Wenn du Fragen hast, bin ich auch da" 
  • "Wir könnten Weihnachten und Ostern doch zusammen feiern"
  • "Wir könnten die Geburtstage der Kinder alle gemeinsam feiern" 
  • "Wenn du mal krank bist, spring ich auch gern ein, du musst mich nur fragen"
Habt ihr schonmal geröstete Heuschrecken gegessen? Oder gebratenen Hundedarm? Habt ihr schonmal aus dem Kopf eines kleinen Äffchens Eis gegessen? Nein? Warum nicht? Ist euch das zuwider? Schüttelt es euch da? Findet ihr das unnatürlich? Kommt es euch hoch?

Ungefähr so ging es der Exfrau meines Mannes. Der Ex in meinem Leben ;-) Meine Anbahnungen, meine Bemühungen, meine Nettigkeiten waren für sie unnatürlich. Aus ihrem kulturellen Kontext heraus, konnte sie sie nur als "giftig, ungesund, gefährlich" einordnen. Denn in der deutschen Kultur ist die Form von Patchwork, die ich von Kindheit an kenne, noch neu. Hier machte bis vor kurzem jeder seins. Die Next-Partners haben sich aus den Kinderangelegenheiten herauszuhalten, obwohl sie Haus und Leben mit ihnen teilen. Wo ich überall von meinem Mann einbezogen werde, weiß ich, dass sie uns "neue Partner" aus den Kinderangelegenheiten heraushält. Man hat zwar alles andere beizusteuern, muss die Kinder aushalten und tollerieren, aber ein Wörtchen mitreden? Nein. Das ist ein Raum, der einzig und allein ihr und meinem Mann (wenigstens das wieder) vorbehalten ist. Unbefugten ist der Zutritt verboten.
Aus meiner kulturellen Sicht empfinde ich diese Einstellung als kurzsichtig. Unklug. Ich finde, dass sie vielleicht das Leben mit den Kindern im ganz kleinen Familienkern erleichtern kann, aber doch das ganze Familiengefüge um so anstrengender macht. Wer sich ein Leben teilt, sollte auch wirklich Anteil an diesem Leben haben. Wer sich Kinder teilt, sollte auch wirklich Anteil an den Kindern haben. Das geht dann am besten, wenn alle an einem Strang ziehen. Im offenen Dialog. Wo man sich kennenlernt, die Möglichkeit hat, einander einzuschätzen. Die Möglichkeit hat, zu lernen - voneinander.

The good times

Ich habe also meine kulturellen Vorstellungen von Patchwork begraben, nach vielen Jahren. Hin und wieder bitte ich meinen Mann "Mach doch mal den Vorschlag", oder "Triff dich doch mal mit ihr, diskutiert das doch persönlich aus"...das ist eben meine Natur, da komme ich nicht raus. Ich will ja auch meinem Mann helfen. Aber ich melde mich bei ihr nicht mehr. Ich schicke ihr keine Fotos, mache keine Vorschläge, versuche nichts zu erklären oder zu rechtfertigen. Interessanter Weise haben sich dennoch drei Wunder getan, und zwar im letzten Jahr. Vielleicht auch deshalb, weil ich vor ihren kulturellen Erwartungen endlich den gebührenden Respekt gezeigt habe. Vielleicht konnte sie deshalb endlich auch einen Schritt auf meine Kultur zu machen.

Wir haben
  • das Abitur ´unserer´ großen Tochter gemeinsam gefeiert
  • den Geburtstag ´unseres´ großen Sohnes
  • und den Geburtstag ´unserer´ großen Tochter
Und, obwohl ich im Leben nicht gewusst hätte, worüber wir reden sollen und ob es ihr, nachdem sie mir an die 1000 Stopp-Schilder gezeigt hatte, überhaupt Recht wäre, wenn ich sie anspreche: Wir wechselten zum ersten Mal seit Jahren ein paar harmlose Worte. Am Geburtstag ihres/unseres Sohnes. Da schenkte sie mir ein Paar Markenschuhe für meine/unsere Tochter, die Jüngste im Bunde. "Unsere haben die nie getragen, sie sind fast wie neu". Ich habe ihr von Herzen gedankt, mehr als sie sich vorstellen kann. Es war ein kulturelles Zugeständnis. Ein ganz kleines. 
Das sind die Tage, die einem Hoffnung machen - und die Augen öffnen. Vor allem dafür, wie einfach alles sein könnte, wären unsere Kulturen gleich und basierten auf Einander-Helfen und Einander-Geben. 

Jada & Sheree = Next & Ex
Schöne neue Welt...
Foto von ihrem öfftl. FB Profil HIER

Fazit

Sollten Neu & Alt an einem Strang ziehen? Meine Meinung: Ja - unbedingt! Es geht ja nicht um uns Erwachsene: Es geht um die Kinder! Darum, ihnen eine Familie zu sein, egal wie groß und egal wie zerstreut. Es geht darum ihnen zu zeigen, dass eine Trennungsfamilie nicht bedeutet, dass sie entweder rechts oder links von der Straße spielen müssen. Sondern, dass ihnen weiterhin das ganze Dorf gehört. Denn: Braucht es nicht auch ein Dorf, um ein Kind großzuziehen?

Freitag, 22. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Trennung? 5 Tipps wie Mann Vater bleibt

Vater mit Migrationshintergrund: In 9 von 10 Fällen verlässt der Vater das "Nest"



Von Vater (&mir) zu Vater

Mein Mann hat dieses Scheidungsding ganz gut gemeistert. Insbesondere mit Blick auf seine Kinder. Fragt dazu bitte nicht sein Umfeld, die sehen das natürlich "alle" anders! Aber wie sooft im Leben geht es nicht darum, wie "die" sich fühlen: Sondern, wie man selbst sich fühlt. Und mein Mann ist mit sich im Reinen. Er ist mit sich zufrieden. Er weiß, dass er Fehler gemacht hat und wo er Schwächen hat. Er weiß, wo er gegen seinen Willen loslassen musste und was für Träume und Hoffnungen seine Kinder betreffend er aufgeben musste. Und vor allem weiß er dies: Er ist immernoch Vater! Und ein guter! Genauso gut, wie es all die anderen Väter sind, die nicht von ihren Kindern getrennt leben. Und das ist ein schönes Gefühl, welches er mit Recht haben darf. Hier also ein Artikel maßgeblich für euch Ex-Väter da draußen geschrieben. Mit meinen Worten & seinen Gedanken, also fast von Mann zu Mann...

1. Was für ein Vater willst du sein?


Solange man Frau und Kind unter einem Dach hat, kann Mann sich Aufgaben teilen oder auch mal Aufgaben abgeben. So richtig klar ist einem vielleicht gar nicht, was für ein Vater Mann sein will. Meistens weiß man nur genau: So einer nicht! 
Wenn Mann die Szene wechselt, bleibt für die Ex und die Kinder der Alltag im Prinzip gleich. Es ändert sich wenig, es sei denn, Mann war Hausmann oder hat aus anderen Gründen viel am Alltag beeinflusst. Wenn Mann allein ist und auf seine Kinder wartet, in einem neuen Zuhause, dann muss Mann die obige Frage zum ersten Mal ernsthaft beantworten! Wischi-Waschi und die alte Arbeitsteilung funktionieren nicht mehr. Mann kann und sollte nicht alles abgeben, aber auch nicht alles an sich reißen.
Mann muss sich sehr genau überlegen:

  • Was will ich wirklich für meine Kinder?
  • Welche Rolle wollte ich auch vor der Trennung in ihrem Leben spielen?
  • Was für Werte will ich ihnen unbedingt mitgeben?
  • Welche Felder sind mir wirklich wichtig?
  • Was kann ich im Grunde nicht und kann es deshalb auch "sein lassen"?
  • Was muss ich können?
  • Muss ich ein Superheld sein, oder muss ich nur besser werden?
  • Muss ich überall besser sein (..als jmd...) oder reicht es, dort besser bzw. gut zu sein, wo es zählt?
  • Wo zählt es?
In Wirklichkeit zwingt einen die Trennung dazu, Stellung zu beziehen. Farbe zu bekennen. Konkret zu werden. Und zwar mit sich selbst. Mit seinen eigenen Idealen. Und mit seinen Träumen und Hoffnungen. Womit wir zu Punkt 2 kämen...

2. Lasset alle Hoffnung fahren

Die meisten Eltern machen diese Phase erst durch, wenn ihre Kinder 16 sind. Oder 18. Oder 28. Auf jedenfall später, als Trennungseltern. Solange Mann mit Frau und Kind unter einem Dach wohnt, kann Mann sich eines einbilden: Dass Mann Kontrolle hat. Und weil Mann sich einbildet - wie alle Eltern - dass Mann Kontrolle hat, beeinflusst Mann das Leben der Kinder. Mann fällt ständig Entscheidungen für sie. Um ehrlich zu sein, haben deshalb auch viele normale Ehepaare Zoff. Die Ladung wird nur manchmal "explosiver", wenn plötzlich eine Trennung im Spiel ist. Es geht ja auch schon in der Ehe so los: Wie viel Taschengeld? Welche Schule? Welche Kita? Taufe ja oder nein? Müssen Markenklamotten sein, geht Secondhand? Muss es immer öko vegan und glutenfrei sein, geht nicht auch Pizza? Warum nicht schon ins Kino? Ab wann ins Konzert? Ist es dafür nicht zu jung? Ist es dafür nicht zu alt? Sei nicht so streng! Sei nicht so nachgiebig! usw. usf. Diese Konflikte haben Elternpaare, weil sie alle von Ängsten und Hoffnungen gesteuert werden. Dabei vergessen sie, dass sie auch mal jemandes Kind waren. Und ich wette, die wenigsten haben sich dorthin entwickelt, wo ihre Eltern sie gesehen haben. Aus dem Musiktalent ist eine Arzthelferin geworden, aus dem Stubenhocker ein Kraftsportler, aus der ambitionierten Schönheitskönigin eine mollige Vollzeitmutter, aus dem Draufgänger und Raufbold ein Anwalt...noch mehr Beispiele? Fakt ist: Wer geht, dem werden die Arme amputiert. Einfach reingreifen und biegen und lenken, das geht nicht mehr. Es ist eines der schwersten und schmerzhaftesten Opfer, die Mann viel zu früh bringen muss, dann, wenn die Kinder noch so schön formbar wirken und so tun, als seien sie angepasst und bestrebt, uns nachzueifern: Die Hoffnung aufgeben!
Wer seine Hoffnung aufgibt und beginnt ein Realist zu sein, der hat es leichter.
Ein Realist schaut in seine eigene Kindheit und weiß: Ich bin nicht geworden, was meine Eltern wollten. Ich habe auch nicht alle Chancen genutzt, die ich hatte (oder umgekehrt) und aus mir ist trotzdem was (ganz anderes) geworden! Ich hatte mal eine Band, ich war mal Fußballjuniorlegist, ich war mal ein richtig guter Schachspieler, ich war mal ein Fitnessfreak, ich kannte mal alle Mineralienarten auswendig, ich war mal...ich konnte mal...ich hatte mal....
Mann war mal jung - Mann wird erwachsen - Mann geht eigene Wege. Das gilt auch für den eigenen Nachwuchs. Kapier das am besten sofort, dann ersparst du dir viel Streit um Dinge, die du eh nicht mehr beeinflussen kannst und viel Schmerz über Träume, die dir deine Ex oder deine Kinder nicht erfüllen wollen.

3. Ehrlichkeit ist gut, Vertrauen ist besser

Ich (Roy) bin kein guter Lügner. Deshalb lüge ich auch nicht. Ich sage vielleicht etwas nicht, aber das ist nicht dasselbe. Ich bin aber vergesslich. Deshalb erzähle ich manchmal die gleiche Geschichte in x verschiedenen Versionen. Deshalb weiß ich, wie es ist, ein Lügner zu sein, auch wenn ich keiner bin: Dir glaubt irgendwann keiner mehr. 
Auch wenn deine Kernaussagen immer stimmen (die Zahlen, die Fakten, das Messbare) - die "weichen Fakten" (Wer war was?, Wo war was?, Wann war was? usw.) machen die Sache rund, und wenn du dich an die nicht erinnerst, hören alle nur: Lüge!
Und in einer Trennungssituation ist es oft so, dass einem keiner glauben will! Egal, wie recht du hast. Egal, wie logisch deine Argumente sind. Egal, ob du mit Fotos oder mit Aufnahmen deine Geschichte belegen kannst: Es interessiert niemanden. Deshalb habe ich gelernt, dass Ehrlichkeit in einer Trennung zwar gut (und wichtig) ist, dass sie aber am Ende wenig nützt. Vertrauen ist viel wichtiger!
Das ist meine Erfahrung. Vertrauen baut man dadurch auf, dass man das tut, was man sagt. Dass genau das passiert, was man prophezeit. Es ist so, als würde man immer "Ich verspreche, dass..." vor jede Aussage, die man macht, setzen. Wenn man diese "inneren Versprechen" halten kann, ist Mann vertrauenswürdig. Ich habe gelernt, dass meine Kinder mir weiche Fakten nicht gern anvertrauen. Ich kann mit ihnen nicht gut umgehen, ich bringe sie durcheinander, ich vergesse sie. Viele interessieren mich auch nicht. Aber meine Kinder kommen zu mir, wenn sie wissen müssen, dass etwas klappt. Wenn sie Vertrauen haben müssen. Denn ich habe mir Mühe gegeben, mein Defizit (die Vergesslichkeit) durch meine größte Stärke wettzumachen: Verlässlichkeit! Wenn deine Kinder Angst vor etwas haben (wenn sie kleiner sind), sag ihnen klipp und klar: Das wird nicht passieren. Wenn du weißt, du würdest es im Notfall verhindern, ist alles gut.
In kurz: Sag am besten nur noch Dinge, die dir später nicht leid tun werden.
Handle verlässlich. Handle nicht mal so, mal so, sondern folge einem berechenbaren Plan.
Deine Kinder sollten wissen, woran sie bei dir sind. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn sie wissen, woran sie bei dir nicht sind (zb der Mensch, mit dem man über die beste Freundin spricht oder über wilde, unrealistische Träume...). 

4. Rede nie schlecht über die Mutter deiner Kinder

Auch wenn es manchmal (oder oft) schwer ist: Rede nicht schlecht über die Mutter deiner Kinder. Kinder verstehen, wenn sie klein sind, grundsätzlich auch Aussagen, wie "Dann lügt Mama eben", als "schlecht über Mama" reden, selbst wenn es stimmt. Deshalb kann man da auch dann einfach sagen "Ich weiß auch nicht, wie das kommt" und damit die Diskussion, die meistens zu nichts führt, beenden. Es ist nicht so schlimm, manchmal als Ahnungsloser dazustehen (Kinder kennen das, so siehts in ihrer Welt ja ständig aus). Es ist aber schlimm, als gemein und fies dazustehen. Komischer Weise vertrauen Kinder ahnungslosen mehr an, als Menschen, die sie für gemein und fies halten. Wenn du also möchtest, dass deine Kinder ein gutes und vertrautes Verhältnis zu dir haben, sag lieber solange, wie sie Zusammenhänge eh nicht verstehen "Das verstehe ich auch nicht", oder "Hm..das wird schon irgendeinen Grund haben" oder "Dann hab ich mich vielleicht geirrt, kann ja sein", statt
"Mama sollte euch sowas gar nicht zeigen", "Mama hat gelogen" oder "Sowas darf Mama gar nicht".
Verkneift es euch, es wird vor allem euren Kindern viel Leid ersparen (und euch am Ende viel Stress). Wenn die Kinder älter und reifer sind, kann Mann sie ruhig fragen, warum sie etwas wissen wollen.
"Warum willst du das wissen? Was ändert das? Worüber musst du dir eine Meinung bilden? Warum ist das so wichtig? Traust du Mama und mir nicht zu, dass wir das ohne dich hinbekommen? Glaubst du, du musst Partei ergreifen? Warum? Wir sind seit x Jahren erwachsen, wir haben ganz andere Probleme durchgestanden - ich bin sicher, wir werden auch das hier packen. Nach wie vor ohne deine Hilfe" ... usw.
Es ist nicht gut - ich wiederhole - nicht gut, wenn man seine Kinder überall involviert. Es ist schwierig, sie rauszuhalten, wenn der andere das mit dem "nicht - involvieren" ignoriert. Weil er vielleicht eine sehr partnerschaftliche Beziehung zu seinen Kindern hat und deshalb "alles mit ihnen teilt". Das wirkt auf die Kinder so, als könne man ihm alles glauben und als wäre er vertrauenswürdiger. Mit diesem schnellen Urteil der Kinder muss Mann einfach leben. Mann selbst muss wissen, warum Mann etwas tut und Mann muss hinter seinen Überzeugungen stehen, selbst, wenn die Kinder einen für eine Weile als Lügner wahrnehmen. Es ist im Grunde so banal, wie das Angurten im Auto. Selbst wenn sie es bei Mama nicht müssen, wenn du weißt, dass es richtig ist, wirst du es zum Wohl deiner Kinder durchsetzen. In deinem Auto gelten deine Regeln! Genauso muss man das Thema angehen. Und - egal wie sehr Mann innerlich kocht - immer gut von der Mutter reden.!Am Ende brauchen die Kinder eine gute Mutter. Ob sie es nun in der Realität ist, oder nur in den Augen der Anderen. Für die Kinder zählt (erstmal) nur, dass sie es glauben können!

5. Sei der Rosenkavalier deiner Kinder, egal was die Welt denkt


"Du pickst dir ja nur die Rosinen raus"
"Das machst du ja nur, um dich bei den Kindern einzuschmeicheln"
"Du spielst dich ja nur als Gutmensch auf"
"Das sagst du ja nur, damit sie dich mögen"
"Geschenke machen noch keinen guten Vater"
"Du verwöhnst sie ja nur, weil du ein schlechtes Gewissen hast"

Ich kenne diese Vorwürfe alle. Da ist Mann mal ein Wochenende mit Sohnemann im Ausland, weil Mann irgendwie wieder eine Verbindung zu ihm aufbauen will, und es kommt (statt "Tolle Idee" oder "Schön, dass du es irgendwie versuchst") nur "Das macht eure Beziehung auch nicht besser" und "Das macht dich nicht zu einem besseren Vater". Lasst sie reden und hetzen gegen eure Manöver, wie sie wollen: Es schadet den Kindern nicht, von euch verwöhnt und geliebt zu werden, auch wenn ihr eure Liebe nicht mit Butterbrote schmieren oder Hausaufgaben kontrollieren zeigt. Ihr habt die Kinder (vermutlich) nicht unter der Woche, also gelten auch nicht diegleichen Regeln, wie unter der Woche.
Die meisten Eltern möchten am Wochenende mit ihren Kindern etwas Schönes unternehmen. Sie machen Fahrradtouren, kleine Ausflüge, einen Mini-Urlaub oder kaufen den lieben Kleinen mal eine Überraschung. Es ist nicht eure Schuld, wenn ihr die Kinder nur an den Wochenenden habt. Dazu sind Wochenenden augenscheinlich in jeder Familie da: Zum Verwöhnen.
Wenn euch danach ist, ihnen Geschenke zu machen, tut es. Wenn ihr einen Urlaub machen wollt, tut es. Und wenn dann jemand schnippisch sagt "Das machst du ja nur, damit sie dich lieb haben", sag "Ja stimmt" und mach weiter. Ist doch egal, was die anderen sagen oder denken: Du musst mit dir selbst im Reinen sein, und wenn du gern Geschenke machst, oder Ausflüge oder leidenschaftlicher Idealist bist - aber nur am Wochenende - dann ist das so.
Das einzige, was gar nicht geht ist: All diese Dinge aus einem schlechten Gewissen heraus zu tun. Habe ich ganz am Anfang auch, aber das schlechte Gewissen war mein Problem, nicht die Ausflüge und Geschenke. An seinem schlechten Gewissen muss Mann arbeiten. Ich habe noch nie erlebt, dass Mann seine Arbeit nicht macht und das beim Chef mit Pralinen kompensiert. Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, hast du ein Problem.
Das ist dein Wunder Punkt und da bist du angreifbar!
Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, bist du nie für deine Kinder da, weil du dein authentisches Ich hinter dem "Ich bügel alles wieder aus" - Papa versteckst.
So schwer es auch ist, das zu akzeptieren: Es ist aus. Deinetwegen, ihretwegen, euretwegen - egal!
Es ist vorbei! Das kannst du nicht damit wiedergutmachen, dass deine Kinder bei dir Narrenfreiheit haben oder alles von dir geschenkt bekommen, was sie sich wünschen. Denk an Punkt 1: Du warst vor der Trennung ein Mann mit Idealen und Werten, ein Papa mit einem vagen Konzept - werf das nicht über Board! Werd dir klar wer du bist und wer du sein willst und lebe das! Deine Kinder haben nichts davon, wenn sie bei dir schlechtes Benehmen lernen, kaputte Zähne kriegen und mit lauter maßlosen Forderungen zu ihrer Mutter nach Hause gehen, wo sie dann deinetwegen Streit haben und unglücklich sind. Sei ein Mann. Steh zu dir. Steh zu den Entscheidungen, die getroffen wurden und zu den Entscheidungen, die du fällst. Wenn du wenig Zeit hast, hast du wenig Zeit. Dann erklär das deinen Kindern und sorg dafür, dass du im Rahmen deiner Zeit verlässlich bist (Punkt 2!). Verwöhn sie in dieser Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit Geschenken, mit Ausflügen - womit auch immer. Solange du das auch getan hättest (oder hast!), als du und deine Kinder noch permanent unter einem Dach gewohnt habt. Man kann mit Geschenken nicht zurückkaufen, dass deine Kinder nicht mit ihren Eltern zusammenleben können. Das ist vorbei. Aber man kann natürlich alles tun, um eine gute Beziehung zu haben, um Spaß zu haben, eine schöne Zeit, wo man schon so wenig Zeit miteinander hat.
"Toll - du machst es dir immer leicht, und ich habe die ganze Arbeit".
Wenn du bereit wärst, ihr die Arbeit unter der Woche abzunehmen, es aber nicht geht oder sie es nicht will: So ist das Leben. Who cares?! Mach, was du (Punkt 1, Punkt 2) für richtig hältst. Und mach das gut. Dann brauchst du bald kein schlechtes Gewissen mehr haben. So einen Vater haben deine Kinder verdient: Einen, der auch aus der Distanz weiß was er tut und warum - und vor allem: Für wen.


Diese Tipps sind nur einige, die helfen, trotz Trennung ein guter Vater zu sein und zu bleiben.
Wenn man in eine neue Beziehung kommt, gelten im Grunde dieselben Regeln.
Es kommen aber noch neue dazu. Die gibt es im nächsten Artikel zur Reihe 
"Relaxed & Stiefmom". 

Hier noch ein Link zu Susanne Petermanns Blog und ihrem Artikel über

10 Irrtümer im Sorge - und Umgangsstreit

der sehr lesenswert ist. Vor allem zu wissen, was das Jugendamt darf und was nicht, dürfte die allgemeine Angst und das Misstrauen vorm Jugendamt deutlich beeinflussen. Das Jugendamt ist weder ein Tiger, noch ein Tiger ohne Zähne, noch sonst in irgendeiner Art gefährlich. Also weder damit drohen, noch Drohungen mit dem Jugendamt ernst nehmen. Das Jugendamt ist eher wie die Feuerwehr: Erste Anlaufstelle, wenns brennt!

P.S. Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com

Mittwoch, 20. April 2016

PhiloJune
Skinny Talk

Eureka! Endlich zurück aus dem Krankenhaus! Was für eine Odyssee, was für eine ur-lange Zeit! Endlich wieder daheim bei meinen Lieben, endlich wieder vor meiner geliebten Tastatur, bereit, die Welt aus den Angeln zu tippen!
Und schon bereit, meinen ersten Blogartikel nach dem Krankenhausaufenthalt zu verfassen.

Skinny & die ganze Welt spielt verrückt


4. Tag im Krankenhaus.
Fast modelreif: Noch ein paar Infusionen mehr, und ich kann auf den Laufsteg!

Ich weiß, dass es kein böser Wille ist. Deshalb nehme ich es niemandem übel. Aber es sind alles Zeichen unserer Zeit und ich finde sie ein wenig verrückt. Irgendwie sind unsere Punkte auf der "besonders erstrebenswert" Punkteliste massiv verrutscht, die Ideale, die wir haben, sind dementsprechend verzerrt. Eben deshalb....

Im Krankenhaus wurde ich auf eine strenge Diät gesetzt. Erde, Gras und Kräutertee. Oder auch mal mineralische Pfützen, Gras und Kräutertee. Das kommt davon, wenn man in einer antroposophischen Klinik liegt. Überschlagen waren das eine Woche lang täglich weniger als 1500 Kalorien. Ich bin mindestens eine ganze 500-Kalorien-Portion mehr pro Tag gewohnt. Für mich hieß das demnach nicht nur strenge Diät, sondern HUNGERN.
Ich habe so sehr unter meinem Hunger gelitten, dass ich ernsthaft von Essen geträumt habe. Oft waren meine ersten Gedanken am Morgen "Oooo jetzt einen saftigen Burger". Überhaupt habe ich ständig von Fastfood geträumt, ein eindeutiges Zeichen dafür, dass weder Schokolade noch Kuchen mich aus meiner Misere gerettet hätten. Ich wollte was mit Geschmack! Salz, Fett, IRGENDWAS, biiittee!
In dieser Woche habe ich 5 Kilo abgenommen. Aus meinem schlanken Ich wurde ein dünnes Ich.

Du siehst (aber eigentlich) toll aus


Blass, mit leicht dunklen Ringen unter den Augen, etwas fahler Haut und mit einem kraftlosen Lächeln begrüßte ich in den letzten zwei Tagen Freunde und Bekannte wieder. Alle schenkten mir lieber Weise ihr Mitleid, sie hatten auch fast alle über diverse Medien den Kontakt zu mir gehalten. Und eine Vielzahl ließ mich wissen, dass ich "eigentlich" toll aussehe. Jetzt sähe ich aus, wie ein richtiges Model! Karrierereif, sozusagen.
Heute früh brachte mein Mann die Lütte zur Kita und wurde von einem Vater dort in ein Gespräch verwickelt. Er erkundigte sich nach meinem Wohlergehen und fragte dann irgendwann: "Hat sie abgenommen?" Klar hatte ich, mein Mann beschrieb, wie dünn ich geworden war. "Dann sag ihr aber nicht, dass sie jetzt aussieht wie ein Model." Warum....weils ja nicht von Dauer ist, wahrscheinlich.

Gott sei Dank fand mein Mann schon vor meiner Magerkur, dass ich aussehe, wie ein Model.
Bei Hosengröße 38 und 1,80m Körpergröße habe ich mich absolut als schlank und gut aussehend empfunden. Wieso sollte ich Angst haben, so auszusehen, wie mein altes Ich?

Frauenideale

Ich weiß, dass das nicht böse gemeint ist. "Du siehst aus, wie ein Model" ist ein ernstzunehmendes Kompliment. Ich nehme das gern an, denn momentan stimmt es auch. Ich war fast einen Monat lang ernsthaft krank und konnte immer weniger und weniger essen: Jetzt sehe ich aus, wie ein Model.
Wieder wird mir bewusst, was für ein Wahnsinn dieser Schlankheitswahn ist. Fast alle Mütter in der Kita meiner Tochter sind nicht schlank, sondern dünn. Ich weiß nicht, ob es allen viel Arbeit und Disziplin abringt - aber einigen sehe ich an, dass sie ruhig mehr Essen vertragen könnten. Sie sehen nämlich so aus, wie ich jetzt. Und ich musste dafür einen Monat lang leiden.
Dass Männer diese feenzarten, nur ein Abglanz-ihrer-selbst-Frauen verehren, ist mir zwar kein Rätsel: Aber ich bevorzuge naturgemäß lieber die Sorte Mann, die gern jemanden mit Energie, Kraft, Elan und Bewegungslust an ihrer Seite haben. Jemanden zum Bäume ausreißen. Jemanden, der stark ist. Jemanden, der Inbegriff einer Powerfrau ist. Es ist ein ziemlich hochgestecktes Ideal, das ich da verfolge, aber der Weg dorthin macht mir mehr Spaß, als der Weg zum Ideal der blütenzarten Modelvariante.

Mein pre-skinny Ich könnte sich rückwirkend beleidigt fühlen. Aber tut es nicht. Ich fand mich vorher schön. Meine irre dürren Arme und meine eingefallenen, hohlen Wangen erschrecken mich. Ich sehe müde, erschöpft und ausgepumpt aus. Und das stimmt ja auch: Ich bin ein Spiegel der Tatsachen!
Ich wäre gern Spiegel anderer Tatsachen.

Was wirklich zählt

Liebe Frauen, Freundinnen, Verwandtinnen, Mütter, Töchter und Mädchen da draußen: In einer Welt, in der einer seit einem Monat ernsthaft erkrankten, verhungerten, saft- und kraftlosen Frau derart ernstzunehmende Komplimente wie "Du siehst aus wie ein Model. Karrierereif!" gemacht werden, läuft etwas schief! Es gibt von Natur aus dünne Frauen, sie haben das Glück die gesichtslosen Kleiderstangen der Modemogule zu werden, manche von ihnen schaffen es sogar in die Welt des Gegenübers und werden Plakatmodels. Jede Frau, die NICHT von Natur aus derart dünn ist, sollte ein Ideal anstreben, das ihr und ihren Möglichkeiten entspricht!

Wenn ich eine Frau oder ein Mädchen sehe, zählen für mich Faktoren, wie:
Sieht sie zufrieden aus?
Strahlt sie innere Ruhe aus?
Wirkt sie selbstbewusst?
Wirkt sie freundlich?
Wirkt sie wie jemand, der viel und gern lacht?
Sieht sie gesund aus?
Wirkt sie fit und vital?
Hat sie Esprit?
Wenn ich diese Fragen beim ersten Blick-Check mit Ja beantworten kann, dann habe ich eine Frau entdeckt, die mich neugierig gemacht hat. Neugierig darauf, wie sie es schafft, all das auszustrahlen. Eine Frau, die Eleganz und Kraft in sich vereint und beides mit einer Prise Charme und einem Hauch Geheimnis verströmt, ist für mich eine Frau zum in-die-Knie-gehen. Ihre Geheimnisse will ich lüften!
Ihre Lebensweise interessiert mich!

Eine Frau, die ganz so aussieht, als wäre ihr "Wie-ein-Model-aussehen" alles, was sie ausmacht, hat keine spannenden Geheimnisse. Hat kein Leben, das mich brennend interessiert. Die hat höchstens hunger - und davon hab ich genug.


Donnerstag, 14. April 2016

Mama Gedanken "Unemanzipiert oder bloß Realist?"

Wer putzt das Klo?
Wer putzt die Fenster?
Wer wäscht die Wäsche?
Wer hängt sie auf?
Wer faltet sie?
Wer räumt sie in den Schrank?
Wer bügelt?
Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?
Wer überzieht die Betten?
Wer macht die Einkaufsliste?
Wer plant was gegessen wird?
Wer gießt die Blumen?
Wer näht kaputte Kleidungsstücke?
Wer bringt den Müll runter?
Wer macht die neue Mülltüte in den Mülleimer?
Wer saugt?
Wer wischt den Staub?
Wer wischt den Boden?
Wer wischt die Schränke mal aus?
Wer kümmert sich rechtzeitig um die Geburtstags/Weihnachtsgeschenke?
Wer denkt an die Geburtstage der Verwandtschaft?
Wer achtet darauf dass die Schuhe der Kinder passen?
Wer besorgt neue Schuhe?
Wer macht den Großeinkauf?
Wer besorgt alle paar Tage frische Sachen wie Obst und Gemüse?
Wer kauft Windeln?
Wer geht zum Elternabend?
Wer sortiert die kaputte und nicht passende Kleidung der Kinder aus?
Wer schneidet den Kindern die Fingernägel?
Wer denkt an die U-Untersuchung?
Wer geht mit den Kindern zur U-Untersuchung?
Wer repariert ein kaputtes Fahrrad?
Wer schaut nach der Wechselwäsche im Kindergarten?
Wer entrümpelt das Kinderzimmer?
Wer macht den Ofen sauber?
Wer macht jeden Morgen die Schulbrote?
Wer räumt die Spülmaschine aus?
Wer räumt sie ein?
Wer macht die Spülmaschine regelmäßig sauber?
Wer erledigt die Behördengänge?
Wer denkt an ablaufende Fristen?
Wer kocht?
Wer deckt den Tisch?
Wer räumt den Tisch ab?
Wer macht die Schuhe sauber?

Diese Liste habe ich HIER http://dasnuf.de/partnerschaftlich-geteilt/ im Internet gefunden. Sie ist Basis des Manifests, dass Gleichberechtigung zu Hause immernoch ganz klein geschrieben wird. In Wirklichkeit. Sie ist Basis des Glaubens, der Mann versäume seinen Beitrag zu leisten. Sie ist Basis einer mir unbegreiflichen Undankbarkeit und Kleinlichkeit, die fast allen Männern widerfährt. Ich bin vermutlich aus der Steinzeit...ich bin ein Teilzeit-Steinzeitler. Oder Philosoph...oder Realist?
Auf jedenfall bin ich nach solchen Listen stets auf der Seite der Männer.

Es mag faule Männer geben. Männer, die morgens das Haus nicht verlassen und dennoch keinen Finger rühren, um den IST Zustand vom morgen gegen Abend ausgebessert zu haben. Faule gibt es, träge Nichtstuer. Aber die gibts auch und zwar zu Hauf unter Frauen. Es gibt auch Chauvis, die die Liste oben als 'Frauenarbeit' abtun. So einen Deckel braucht kein Topf. No thank you.

Aber die meisten Männer, die ich kenne arbeiten.

Wer steht jeden morgen früh auf und geht zur Arbeit?
Wer muss dort Fehler ausbügeln?
Wer muss schmutzige Wäsche waschen?
Wer muss in Hintern kriechen?
Wer muss sich verbiegen?
Wer muss immer service-orientiert denken?
Wer darf seine Launen zu Hause lassen?
Wer wird von Jüngeren überholt?
Wer bekommt keine Beförderung?
Wer macht unbezahlte Überstunden?
Wer steht unter täglichem Leistungsdruck?
Wer zahlt die Gebühren der Krankenkasse?
Wer macht die Steuern?
Wer bezahlt den Urlaub?
Wer bezahlt die Kita?
Wer bezahlt den Einkauf?
Wer bezahlt die Weihnachts/Geschenke?
Wer hat es täglich mit mehreren Arschlöchern zu tun?
Wer ist vom Arbeitsklima, vom Arbeitsmarkt, vom Wirtschaftswachstum abhängig?
Wer lebt seine Träume auch nicht?
Wer hatte mal viele Hobbies und jetzt nur eins oder keins?
Wer steckt im Hamsterrad?

Mir fallen noch viele solcher Fragen ein.
Fairer Weise, wenn es um Gleichberechtigung in Partnerschaften geht, müssten diese Fragen auch beiden gestellt werden. Und ganz klar - ich weiß es aus eigener Erfahrung - wenn BEIDE vor allem meine Fragen mit "Wir" beantworten können, können meistens BEIDE den obigen "Haushalts-& Familienfragebogen" nur mit "Wir nicht" beantworten. Und es ist in so einer Situation voll kacke, wenn das Geld BEIDER dann nicht wirklich für eine Putzfrau und schon gar nicht für eine Nanny reicht. Wenn es das nicht tut - ich spreche aus eigener Erfahrung - dann leiden BEIDE darunter, dass sie den ganzen Tag und viele Nächte arbeiten und das Leben um sie herum trotzdem zerbröselt, wie eine vertrocknende Blume.

Wenn einer in der Lage ist, die ganz obige Liste komplett mit "ICH mache das" zu beantworten, wird er erfahrungsgemäß kaum meine Liste mit "Das mache ICH auch" beantworten.

Warum?

BEIDES geht nicht!
Es ist pure Logik. Es ist nicht menschenmöglich. Jede Frau und jeder Mann, die dieses Pensum beider Listen annähernd schaffen - meine Mutter zum Beispiel (#stolz#) - hat einen Orden verdient. Braucht aber vermutlich Urlaub. Massenhaft.

Wenn ein Mann aus beiden Bereichen Punkte für sich in Anspruch nimmt, ist das ein toller Mann.
Wenn eine Frau aus beiden Bereichen Punkte für sich in Anspruch nimmt, ist das eine tolle Frau.

Viele sich wegen ihrer Einstellung zu Zeit und Umgang mit Kindern nicht beruflich verwirklichen könnende Frauen, beklagen, dass ihre Männer ihnen nichts oder fast nichts aus ihrer Zuhause&Schule- ToDo Liste abnehmen. Ihre Männer wiederum können diese Frauen auch nicht in irgendeinen Beruf schicken, damit sie frei sind von der lästigen Heimarbeit, mosern aber auch nicht (vermutlich) "Nie nimmst du mir mal meine Überstunden ab, damit ich mal früher Feierabend machen kann".

Dieses ewige Vergleichen und Beklagen, dieses bescheuerte einander aufrechnen, was wer geleistet hat, geht mir auf meine nicht vorhandenen Klöten, und zwar gewaltig. Solange ER euch und euren Kindern nicht schadet oder wie ein Zementklotz am Bein hängt, und solange IHR viele Wahlmöglichkeiten habt was aus eurem Leben und Alltag zu machen, die genau wie für ihn diverse Einschränkungen bedeuten, dann hört mit dem Beklagen der Unvollkommenheit auf. Und JA lobt und DANKT euren Männern und Frauen, wenn sie Einsatz zeigen. Wenn eure Frauen einen Halbtagsjob annehmen und dennoch alle Punkte von ganz oben abarbeiten, behandelt sie wie Königinnen! Wenn eure Männer ihre Karriere mit Elternzeit riskieren, wenn sie das Geld für eine Putzfrau verdienen, wenn sie abens trotz eines Scheißtages mit einem Lächeln nach Hause kommen, wenn sie ab und zu im Haushelt helfen und euren Shopping, Urlaubs oder "Ich brauche mal Zeit für mich, ich möchte Bloggerin werden" - Wünschen nicht im Weg stehen, sie sogar unterstützen, vielleicht sogar finanzieren: Behandelt sie wie Könige.

Und alle die, die Punkte aus BEIDEN Listen in großer Zahl für sich in Anspruch nehmen können: Das sind echte Superhelden! Verehrt sie! Egal, ob Mann oder Frau.

Ist Ordnung das halbe Leben? Und Ihrs oder Seins?